Silent University

„What are you good at?“

 
Ich betrete einen Raum, voller Menschen, es gibt einen Stuhlkreis und wir setzen uns. Was eher ruhig beginnt, wo anfangs ein Kreis steht, bewegen sich bald Körper, finden sich zusammen und schieben die Stühle immer weiter weg, verschieben und verändern den Raum, in neue Formationen, zu kleinen Gruppen, Begegnungen und Gesprächen. Zu Bildern. Zu Gedanken.
 
Es beginnt mit der Frage „What are you good at?“ und wirft zunächst auf sich selber zurück: Wovon nun berichten? Wie mit noch unbekannten Menschen darüber sprechen? Und in welcher Sprache?
Anfangs steht eine Schüchternheit, steht allerseits in die Gesichter geschrieben, als wäre es schwer, einfach über Gutes zu sprechen, über das Gut, das man mitbringt, das man mit sich trägt, sozusagen: Dabei hat. Überall. Immer. Nach kurzem Zögern beginnt sich etwas zu wandeln, und wir beginnen vorsichtig, vorfreudig zu erzählen, uns gegenseitig zu berichten:
 
Jemand kann Treppen bauen, aus Holz, mit seinen eigenen Händen. Jemand kann geduldig sein, ruhig bleiben, in Situationen, die bei vielen anderen Unruhe und Ungeduld auslösen würden, vielleicht sogar Angst. Jemand hat einen Film gedreht. Jemand eine Bibliothek gegründet. Jemand studiert Medizin. Jemand übersetzt. Jemand spricht in zwei Sprachen, oder drei. Keine*r allein.
 
Und es weckt eine Lust, mitzumachen. Teilzunehmen. Teil zu werden, von etwas, das am Entstehen ist. In diesem Moment. In diesem Raum, der sich öffnet, der sich vervielfältigt: Es werden mehrere Räume, viele Gespräche, rauchende Köpfe, kurze Pause, wir rauchen, Zigaretten, trinken Tee, berichten gegenseitig von: Plänen, Ideen. Eine Lesung. Ein Konzert. Ein Gespräch, das auf Farsi beginnt, übers Englische ins Deutsche fällt. Und zurück.
 
„What are you good at?“ ist mehr als ein Spiel, mehr als ein Kennenlernen; es ist eine Einladung, dieses Wissen, dieses Gut, das man in sich trägt, jede und jeder trägt und hat, wirklich zu teilen. Hineinzutragen. Und dann wieder heraus. Aber anders. Vorstellbar zu machen. Eine Einladung gegen die Stille. Ein Einladung etwas gemeinsam entstehen zu lassen.

Text: Ivna Zic (Februar 2018)

 


 

The SILENT UNIVERSITY IN AUSTRIA is intended to create an integrative framework that promotes academic dialogue between academics and academics in education, regardless of their origin, language, religion or nostrification. The Silent University is seeking silent students and researchers.
If you’re interested in participating and development of ideas, don’t hesitate to contact!

Die SILENT UNIVERSITY in Österreich öffnet einen alternativen Wissensraum, in dem „unsichtbares Wissen“ sichtbar wird – sie versteht sich als offener Raum, in dem unerhörte Studierende, Forscher*innen in verschiedenen Sprachen einander begegnen, Wissen (mit)teilen und neues Wissen schaffen.



Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.